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02.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Montag 02.06.2003, Bad Windsheim – Aub

Heute schallte das Geräusch von Pferdehufen und eisenbereiften Fuhrwerken bereits um 9:00 Uhr durch die Straßen von Bad Windsheim. Durch das schöne Wetter lag die gefühlte Temperatur bereits zu diesem Zeitpunkt bei über 20 Grad Celsius und es war allen Teilnehmern klar, daß die Quecksilbersäule auch an diesem Tag die 30 Grad-Marke erreichen würde. Viele Menschen winken uns zu, wünschen uns viel Glück und bringen uns die bereits im Vorfeld der Fahrt mehrfach festgestellte Herzlichkeit entgegen. Für die Fuhrleute hat der Tag bereits um 5:00 uhr begonnen. Ihr unermüdlicher Fleiß lässt die Pferde in bester Verfassung an den Start gehen und zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, was auf die Reisegesellschaft wartet. Der Tross kommt gut voran. Die Fahrt geht über Wiebelsheim, Ergersheim, Seenheim und Rudolzhofen dem Mittagsziel Uttenhofen entgegen. In Ergersheim wird ein kurzer Tränkestopp für die Pferde eingelegt – die Hitze wird langsam unerträglich. Einer der Fuhrmänner bemerkt: „Die Gäul wern immer langsamr, die Frische lässt nach!“ Schon kurze Zeit später nimmt das Schicksal seinen Lauf. Aus 2 schlappen Pferden, werden schnell 8! Am Mittagsziel Uttenhofen angekommen, treffen die Verantwortlichen die Entscheidung, daß die betroffenen Pferde mit Pferdeanhängern nach Aub gebracht werden. Der Gesellschaftswagen, ein Planwagen sowie eine Reisekutsche werden Huckepack Richtung Tagesziel gebracht. Lediglich ein Planwagen, 2 Reisekutschen und 3 Geleitsreitersetzen die Reise in der ursprünglich angedachten Art und Weise fort. Etwa 1 Kilometer vor Aub wir der Kaufmannszug wieder vollständig aufgestellt und zieht anschließend in Aub ein. Der Empfang der uns dort bereitet wird, ist mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben. Viele hundert Menschen säumen die Straßen und der Marktplatz quillt über vor Menschen. Sie jubeln dem Kaufmannszug zu und klatschen – Gänsehaut macht sich breit. Wir dürfen einen perfekt organisierten Empfang beiwohnen, der seinesgleichen sucht. Die Feierlichkeiten dauern bis spät in die Nacht.

01.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Sonntag 01.06.2003, Langenzenn – Bad Windsheim

Heute früh wurde um 9:30 Uhr zum Aufbruch geblasen. Für die Fuhrleute hatte der Tag jedoch schon um 5:30 Uhr begonnen. Die Pferde mussten gefüttert und die Ställe ausgemistet werden. Kaum 500 Meter gefahren, hatten wir schon wieder einen Defekt. Die Bremse eines Planwagens war nich vollständig gelöst und führte zur Blockade eines Rades. Jetzt um 11:00 Uhr haben wir 1,5 Stunden Fahrt in schöner Landschaft hinter uns, es läuft alles reibungslos. Wir liegen in unserem Zeitplan und werden unser Mittagsziel rechtzeitig erreichen. 12:30 Uhr, der Vortrupp ist am Mittagsziel. Die lange Steigung vor Markt Erlbach hat viel Zeit und Schweiß gekostet, bei nahezu 30 Grad Celsious mussten Alle die 2 Kilometer lange Steigung laufen. Es dauert noch eine volle halbe Stunde bis alle Wagen die Steigung nach Hagenhofen überwinden und unser Gasthaus für die Mittagsrast erreichen. Der Gasthof Hellwig sei an dieser Stelle besonders genannt. Eigens für den Kaufmannszug war eine Speisekarte gedruckt. Vielen Dank an den Wirt und sein Team für die perfekte Bewirtung von Roß und Reiter. Da es heute sehr heiß ist, müssen alle Achsen geschmiert werden. Das Fett erreicht so hohe Temperaturen, daß es aus den Lagerbuchsen läuft. Nachdem alle Wagen und Pferde versorgt sind, bleibt für die Fuhrleute nur noch wenig Zeit für das Mittagessen. Um 15:15 Uhr bricht die löbliche Kompanie auf. Und wieder heißt es die nächte halbe Stunde schwitzen, denn eine lange Steigung führt hinauf nach Linden und alle müssen gehen. Die Höhe ist jetzt erreicht, die nächsten 7 Kilometer verlaufen über sanfte Hügel. Auf Grund der defekten Bremse vom Morgen, muß der Wagen jetzt bei Abfahrten durch die Besatzung gehalten werden. Um 18:30 Uhr erreichen wir Bad Windsheim, leider 2 Stunden später als geplant. Dennoch erwartet uns ein glänzender Empfang am Holzplatz. Das Seligenstädter Geleitswesen wird präsentiert, anschließend fahren wir ins Freilichtmuseum zu unserem Nachtlager. Der Tag endet im Biergarten der Museumsklause bei frischem Bier und mittelalterlicher Musik. Auch hier muß man dem Wirt ein dickes Lob aussprechen.

31.05.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Samstag 31.05.2003, Nürnberg-Langenzenn 

Gestern, am 30. Mai sind die Kutschen, Planwagen und Pferde beriets mit LKW´s nach Nürnberg gebracht worden. Leider ist wieder ein Pferd mit Hufproblemen ausgefallen. es war jetzt das Dritte und zwingt uns im Vorfeld, schon auf Ersatzpferde zuzugreifen. Bereits um 5:30 Uhr startet ein Kleinbus mit Teilnehmern, um im Pferdequartier auf die Mannschaft vom Freitag zu treffen. Gemeinsam soll mit den Kutschen zum Hauptmarkt gefahren werden. Dort erwartet man die restlichen 50Teilnehmer. Um 9:45 Uhr sollen die Fuhrwerke Aufstellung nehmen und um 10:00 Uhrsoll das Grußwort eines Bürgermeisters gesprochen werden. Leider ist weder ein Bürgermeister noch ein Ansprechpartner für uns greifbar, die Stimmung ist gereizt. Später stellt sich heraus, daß man im Nürnberger Rathaus trotz schriftlicher Absprachen falsche Uhrzeiten weitergegeben hatte. Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten gibt es eine schöne Verabschiedung und einen beeindruckenden Auszug aus der Stadt. Über 90 Aktive ziehen von Trommeln und Fanfaren begleitet durch Nürnberg. Zu diesem Zeitpunkt begleitet uns bereits ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks. Keine 10 Kilometer weiter holt uns die Wirklichkeit ein. Die Nabe eines Fuhrwerks läuft heiß, das Rad muß demontiert, gekühlt und neu gefettet werden. Diese Art von Panne zwingt uns noch zwei witere Male zu Pausen. Dadurch hinken wir unserem Zeitplan schon zwei Stunden hinterher. Trotzdem werden wir sehr herzlich zur verspäteten Mittagsrast in Seukebdorf empfangen. Begleitet von Jagdhornbläsern begrüßen uns die Stadtväter und wir genießen bei sommerlichen Temperaturen die kühlen Getränke und Nürnberger Bratwürste, die man uns anbietet. Unsere Pferde haben zu diesem Zeitpunk bereits 20 Kilometer Schwerstarbeit hinter sich und laben sich an dem saftigen Gras auf der Weide. Nur noch 5 Kilometer trennen uns jetzt von unserem Etappenziel Langenzenn. Bei einem Gläschen Sekt samt singendem Bürgermeister, werden wir im Rathaus empfangen. Ein schöner Tag liegt hinter uns, um die Pferde zu schonen, wurden etliche Kilometer gewandert und die Teilnehmer sind sichtlich müde.

30.05.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Freitag 30.05.2003, Transport nach Nürnberg

Am Freitag den 30.05.2003 wurden die Pferde, Fuhrwerke und das sonstige Equipment, von der Vorhut, nach Nürnberg transportiert. Der Transport erfolgte zum Teil mit privaten Fahrzeugen mit Anhängern. Die größeren und schwereren Teile wurden mit 2 LKW`s nach Nürnberg gefahren. Unser besonderer Dank gilt hier der Fa. Mercedes-Benz Autohaus Heberer und der Fa. Richard Sprey Bauunternehmen GmbH. Auf dem Hof der Familie Heinz Lehneis wurden die demontierten Fuhrwerke wieder zusammengebaut und die Pferde fanden einen guten Stall für die erste Übernachtung. Heinz Lehneis ist selbst Fuhrmann und fährt in Nürnberg die historische Postkutsche, mit seinen Kaltblütern, zu allen Gelegenheiten. Ebenso das Festgespann für die Brauerei Tucher. Familie Lehneis betreibt einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb im Knoblauchsland.

23.06.2007

Kaufmannszug 2007 ,Augsburg—Seligenstadt
Samstag, 23. Juni Obernburg – Seligenstadt

Wir haben es genossen gestern Abend, das frische Jubel Bier, das Robert Glaab mit nach Obernburg gebracht hatte, im Holzfass und traditionell angestochen. Nach den ausgelassenen fröhlichen Stunden von gestern Abend, kam heute Früh jedoch die Ernüchterung. Das Wetter zeigte sich von einer seiner schlechtesten Seiten, starker Regen, unser Lagerplatz stand förmlich unter Wasser. Keine schöne Bedingung für das Supportteam. Unser Kernteam vom Support wurde täglich aus dem Teilnehmerkreis aufgestockt. Bis zu 10 Personen waren notwendig um das Lager ab, bzw. aufzubauen, Pferdeanhänger zu transportieren oder die Wasser- , Getränkeversorgung und die Verpflegung sicher zustellen. Alleine 2.5 Tonnen Stahl für die Stallboxen mussten täglich zwei mal bewegt werden, mehrere Kubikmeter Biomasse, gemeinhin Pferdemist, entstanden täglich und frisches Heu und Stroh mussten für unsere bis zu 39 Pferde bereitgestellt werden. 3 Kleinbusse, 1 Stadtbus, 1 Lkw, 2 Geländewagen, 1 PKW, 1 Plattformanhänger, 1 geschlossener Anhänger und 4 Pferdeanhänger waren im Hintergrund im Einsatz. Eine immense Logistik , dass der Zug laufen kann. Nun -zur Zeit der Kaufmannszüge war das gesamte Umfeld auf solche Handelskarawanen eingestellt, die notwendige Infrastruktur über die gesamte Wegstrecke vorhanden. Heute ist das nicht mehr so, Tankstellen oder Autohöfe nutzen dem Kaufmannszug nichts. Wir mussten überall für die passende Infrastruktur selbst mit sorgen. Der Weg führte uns heute zunächst nach Großostheim, von dort auf dem Einhard-Wanderweg durch den Wald nach Stockstadt zur Mittagsrast. Aufgrund des schlechten Wetters wurde kurzfristig der Rastplatz verlegt, Bürgermeister Schaffrath stellte den Städtischen Bauhof zur Verfügung. An der Grasbrücke dann ein weiterer Empfang. Mainhausens Bürgermeisterin Ruth Disser begrüßte uns und der Vauth aus Seligenstadt kontrollierte traditionell die Übergabe des Geleits. Ein bißchen geschwebt sind wir ja schon in den letzten beiden Wochen, wir Fünf mit unseren Familien. Die mit Menschen gefüllten Straßen von Seligenstadt bei unserer Ankunft ließen uns aber restlos abheben. Eine größere Freude hättet Ihr Seligenstädter uns nicht machen können. Der feierlichen Begrüßung im Kloster durch unsere Bürgermeisterin Dagmar B. Nonn-Adams, dem Vauth sowie den Kaufherren aus Seligenstadt, hat der Regen leider einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regenschirme versperrten die Blicke, es tat uns Leid dass nur wenige Seligenstädter daran teilhaben konnten. Das Fest, das die Stadt für uns im Klosterkeller ausrichtete, übertraf dann alle Erwartungen. Einen schöneren Abschluss hätte unser Projekt Kaufmannszug 2007 nicht finden können Vielen Dank!

22.06.2007

Kaufmannszug 2007 ,Augsburg – Seligenstadt
Freitag, 22. Juni Eichenbühl -Obernburg

Nebel liegt heute Früh noch über dem Maintal als wir in Eichenbühl starten, es ist alles etwas gedämpfter – bis nach Oberburg, morgen dann die letzte große Etappe nach Seligenstadt. Eine eigenartige Komposition, die Vorfreude auf das erreichen des Zieles und die Gedanken an das Gewesene, das Erlebte der letzten beiden Wochen. „Was machen wir denn nächste Woche?“ schnappe ich aus einem Gespräch auf. Nun zunächst müssen wir uns dem Realen widmen, die 26 Kilometer bis nach Obernburg frühren uns zunächst durch ein verträumtes Tal nach Bürgstadt. Es war angenehm den Tag in der Ruhe dieser Umgebung zu beginnen, jetzt wird es langsam lauter wir nähern uns Miltenberg, werden wieder zunehmend zu einer Behinderung für den Autoverkehr. Der Bürgermeister von Miltenberg lies es sich nicht nehmen uns auf einen Begrüßungstrunk einzuladen. Stolz habe ich unsere beiden gutmütigen Rösser , Max und Michel samt dem Planwagen durch das Stadttor geleitet, vor der Einfahrt zum Platz vor dem Rathaus die Leine aber lieber unserem Kutscher Sepp übergeben. Zwischen Leine halten können und Kutscher sein liegt halt doch viel. Die Verantwortung der Kutscher ist immens groß. Den Wagen zu führen, auf das Verhalten der Pferde einzugehen bedarf einer ständigen Konzentration und verdient unsere Hochachtung. Die Baustelle, der Verkehrsstau, der damit verbundene Lärm an der Bundesstraße B469 holen uns endgültig in die Neuzeit und aus unseren Träumen zurück. Wir folgen dem alten Trassenverlauf der Bundesstraße nach Laudenbach. Inzwischen ist recht ungemütlich geworden, es regnet in Strömen und Petrus lässt uns auch in der Mittagspause nur wenige trockene Momente – durch was haben wir Ihn nur so verstimmt? Punkt 17:26 Uhr , wir sind für 17:30 Uhr angemeldet, erreichen wir unser Tagesziel. Die Gassen sind gefüllt mit Menschen als wir in Obernburg einziehen und von weitem hört man schon bekannte Töne, die Herolde, unsere Fanfarenbläser der TGS Seligenstadt, geleiten uns gebührend. Die Obernburger empfangen uns wie vor 4 Jahren auf dem Platz vor der Kirche, es ist alles bestens gerichtet, schade dass die vielen Wagen keinen Platz haben und direkt weiterfahren müssen. Der Bürgermeister empfängt uns mit seinen ‘Königinnen‘, ein Chor aus USA – derzeit zu Gast in Seligenstadt -überzeugt von seinem Können und unsere Fuhrmänner werden durch den Eimertrunk in die Gilde des Kaufmannszuges aufgenommen. In ausgelassener Stimmung verleben wir alle unseren ‘letzten‘ Abend.

21.06.2007

Kaufmannszug 2007 ,Augsburg—Seligenstadt
Donnerstag, 21. Juni Külsheim -Eichenbühl

Der gestrige Abend in Külsheim wird uns allen lange in Erinnerung bleiben, zu überwältigend war einfach das Spektakel, das man für uns vorbereitet hatte. So starten wir wieder in einen neuen Tag, drei Etappen sind es jetzt nur noch bis nach Seligenstadt und eine kurze Strecke mit 18 Kilometern ist heute geplant. Wo ist bloß die Zeit geblieben? Unsere Reiseart lässt auf der einen Seite vieles sehr intensiv erleben, die Kurzweil entreißt es uns aber ebenso schnell. Kurz nach 10 Uhr setzt sich heute unser Tross in Bewegung, zunächst ohne mich, ich versuche mit dem Internet zu kommunizieren und es klappt einfach nicht. Gott sei Dank, die Unterstützung im Hintergrund klappt perfekt und ich kann durch ein Begleitfahrzeug nachgefahren werden. Kurz vor Hundheim bin ich dann wieder beim Zug. Das Licht wird immer bedrohlicher und es dauert nicht lange bis heftiger Regen einsetzt. Er wird uns wohl den Rest des Tages begleiten. Die Mittagsrast, bei einer Lichtung im Wald vorgesehen, fällt dann recht ungemütlich aus und viele flüchten in die Wagen. Man glaubt nicht in welchen Haltungen der Mensch in der Lage ist zu schlafen wenn die entsprechende Müdigkeit vorhanden ist! Trotz des schlechten Wetters nehmen es viele Menschen auf sich, lange warten zu müssen, nur um uns zu treffen. In guter Laune stehen sie an den Straßenrändern und jubeln uns zu. Immer wieder sehen wir Seligenstädter Gesichter -wir sind einfach gerührt. Neunkirchen, bei Kilometer 11, müssen wir noch passieren, dann geht es an Ebenheid vorbei Richtung Eichenbühl. Wir haben uns entschlossen trotz der schlechten Witterung den Weg über die alte Steige zu nehmen, ein Weg auf dem über Jahrhunderte die Kaufleute aber auch schon Schwedengeneral Gutav Adolf oder Graf Tilly unterwegs waren. Nass und aufgefahren wurde diese Passage zu einem echten Abenteuer, bei dem auch wieder ein Wagen Deichselbruch erlitt. Ausgestattet mit mehren ‚Ersatzdeichseln‘ brachte uns das aber nicht aus der Ruhe. Ein kurzes Stück noch, wir passieren den Mautturm und erreichen Eichenbühl. „Ich will sprechen den Willkomm – so gebührt es mir als Schulthes dieses freundlichen lieblichen Fleckens. Willkommen Ihr edlen Herren und Damen, Ihr Handelsleut und auch Ihr fahrendes Volk, sollt sein willkommen hier zu Eichenbühl“ So begrüßte uns der Bürgermeister während des kleinen Volksfestes das bereits im Gange war. Frisch gebackener Fisch von den Seligenstädter Fischern, trefflich vorgetragene Volkslieder vom Jugendchor Dammbach und des Eichenbühler Chors, sowie flotte Märsche des Eichenbühler Musikzugs, ließen diesen schönen Abend viel zu schnell ausklingen.

20.06.2007

Kaufmannszug 2007 ,Augsburg – Seligenstadt
Mittwoch, 20. Juni, Tauberbischofsheim – Külsheim

Unser kürzester Tourentag liegt heute vor uns, nur 15,3 km sind es bis nach Külsheim, unserem Tagesziel. Hinter Tauberbischofsheim, wir ziehen auf der Landstraße dahin, beginnt aber schon eine endlose Steigung, die uns viel Kraft kostet. Wir sind froh Eiersheim zu erreichen, denn vielen von uns sieht und merkt man inzwischen die Erschöpfung deutlich an. Die kurzen Nächte reichen einfach nicht mehr aus um sich vollständig zu regenerieren. Auf die ausgedehnte Mittagsrast heute, freuen wir uns deshalb richtig. Gemütlich im Schatten unter Bäumen haben wir Zeit zum ausspannen. Einen herzlichen Dank möchte ich an dieser Stelle einmal unseren Metzgern Fecher, Becker, Dies, Kuhn und der Bäckerei Haas aussprechen, die uns auch während der Fahrt mit frischen Back – und Wurstwaren versorgen. Nach Eiersheim, in einer Senke gelegen, steht uns noch eine weitere lange Steigung bevor. Auf schmalen Wirtschaftswegen, bei glühend heißer Sonne, kommen wir gewaltig ins Schwitzen, genießen aber auch den Blick über die weiten Kornfelder. Bisher hatte noch niemand gemerkt dass wir auf unserer Zeitreise rückwärts gegangen waren, erst in ‚Kullesheim‘ sahen wir uns im tiefsten Mittelalter . In authentischen Gewandungen wurden wir von den Külsheimern am Schlossplatz empfangen. Die Turmbläser kündeten den Schultheiß an, der uns löbliche Kaufleut empfing. Er warb für seine vortrefflich Weibsleut und übergab uns ein Kistlein köstlichen Rebensaftes zur Stärkung und Erhaltung von Körper und Geist. Doch ward ihm ein Vorfall gemeldet. Raimund, Zimmer Sechs – war er bei einer Marketenderin ? Im Zweifelsfall gegen den Angeklagten entschied der Schultheiß und lies Ihn in Gewahrsam nehmen. Am Pranger, immer wieder wurde Ihm der hitzige Kopf gekühlt, musste er seine Strafe ertragen, wurde aber von seinem lieben Weibe schnell ausgelöst. Mittelalterlicher Gesang leitete dann den Abend ein und ein Kräuterweiblein stellte sich uns vor. Ist es doch wichtig für einen Reisenden um die Heilkraft der Kräuter zu wissen. Bezaubernd war auch der mittelalterliche Bauchtanz umrahmt von einem feuerspuckenden Gaukler. Zu mittelalterlichen Tänzen, begleitet von der Musik auf Leier und Dudelsack, waren dann alle eingeladen mitzumachen. Ich denke nicht nur die Tanzenden waren davon hellauf begeistert. Der Empfang in Külsheim stellte eine Klasse für sich dar und lässt sich nur schwer in Worte fassen, er war einfach ein Erlebnis das den Beteiligten vorbehalten bleiben wird.

19.06.2007

Kaufmannszug 2007 , Augsburg – Seligenstadt
Dienstag, 19. Juni, Unter-Wittighausen -Tauberbischoschofheim

Schön war es gestern Abend bei den Unterwittighausenern, „nie hätten wir mit soviel Besuchern bei unserem kleinen Fest gerechnet“ , bestätigte mir der Bürgermeister. Das Essen war knapp geworden, umso erfreulicher war der Besuch von Petra Kuhn -natürlich mit einer entsprechenden Menge Fleischwurst im Handgepäck. Erstaunt waren wir über Hermann, unserem neuen Soldaten., noch nicht mit allen Gepflogenheiten vertraut, vermisste er in der Nacht seinen Zimmerschlüssel nebst dem Gepäck – spontan hielt er Nachtwache beim Planwagen. Mit nur knapp 18 Kilometern liegt heute zwar eine kurze Etappe vor uns, die zu überwältigenden Steigungen verlangen aber viel von Mensch und Tier. Zunächst verläuft unser Weg auf der Landstraße und wir sind wieder stark konfrontiert mit den Bewegungsmitteln der Neuzeit, bald biegen wir jedoch auf schmale Pfade ab und genießen die Natur. Unbefestigte, holprige Wege beanspruchen aber auch unsere alten Fuhrwerke stark. Bei der Mittagsrast in Grünsfeld stellen wir eine gebrochene ‚Langwied‘ am kleinen Planwagen fest, er muss erst mal stehen bleiben. Der Lions Club aus Seligenstadt hatte uns mit einem Mittagessen überrascht und der Bürgermeister versäumte nicht die Grußworte der Stadt zu überbringen. Es ist sehr heiß als wir uns auf die letzten 9 Kilometer Richtung Tauberbischofheim machen. Immer wieder begegnen uns jubelnde Gruppen, oftmals ganze Schulklassen und Kindergärten, am Straßenrand und groß ist die Freude über unsere mitgebrachten Lebkuchen. Leider zeigen sich aber bei uns Reisenden auch Anzeichen von Erschöpfung, die Konzentration hat nachgelassen und es ist zu kleineren Unfällen gekommen. Schnell vergessen sind jedoch die Strapazen wenn wir unsere Tagesziele erreichen. Der Einzug in Tauberbischofsheim, durch die Fußgängerzone zum Schlossplatz, lässt uns wieder schweben. Viele bekannte Gesichter aus Seligenstadt sieht man Straßenrand und wir freuen uns über das Interesse an unserem Kaufmannszug. Über die wirtschaftliche Bedeutung seiner Stadt zur Zeit der Geleitszüge spricht der Bürgermeister und stellt so einen Bezug zu uns her. Wir sind überwältigt wie viele Menschen heute zu unserem Empfang gekommen sind. Die Volkstanzgruppe der Stadt tanzt und wir genießen den kühlen Wein beim Empfang im Kurmainzer Schloss. Ab heute stehen wir also unter Kurmainzer Geleit.

18.06.2007

Kaufmannszug 2007 ,Augsburg – Seligenstadt 
Montag, 18. Juni, Aub – Unter Wittighausen

Der Abschied fällt schwer heute Früh, Kindergarten und Schule unterbrechen den Unterricht, dicht gedrängt stehen die Kinder am Straßenrand und winken, es ist sehr rührend. Begleitet von den winkenden Aubern ziehen wir so aus. Kaum haben wir das Ortsschild passiert, ertönt eine bekannte Melodie. Einige Mitreisende konnten ja nur eine Woche mitfahren, so auch Christopher der Soldat, er steht im Kornfeld und spielt uns auf seiner Posaune den ‚Egerländer Fuhrmannsmarsch‘ – wir haben Tränen in den Augen. Aber Gute Freunde kann niemand trennen -wir ziehen weiter durch bekannte Ortschaften. Ab heute liegen nämlich die Augsburger Nordstrecke und der Nürnberger Geleits-weg auf der selben Trasse. Die Landschaft öffnet sich, lässt weitere Blicke zu und die Wolkengebilde verändern wieder ständig das Ambiente. Mit brandenburgisch-ansbachischem Geleit zogen wir ja nach Aub und sind jetzt auf demTerritorium des Würzburger Hochstifts. Über Balderheim und Riedenheim ziehen wir nach Stalldorf, die Strecke verläuft über Landstraßen und wir stellen mit unserem enorm langen Zug schon eine ‚Verkehrsbehinderung‘ dar. Leider bringt nicht jeder Autofahrer die Zeit und die Muse auf, uns ungewöhnliche Verkehrsteilnehmer zu erleben. Überrascht werden wir wieder in der Gemeinde Gelchsheim, die winkenden Bürger am Straßenrand geleiten uns zum spontanen Empfang am Rathaus. Bei belegten Brötchen und frischem Kaffee kommen wir mit dem Bürgermeister ins Gespräch. Leider müssen wir weiter auf unserer Kulinarischen Tagesetappe, zur Mittagsrast in Stalldorf. Rippchen mit Kraut erwarten uns, die Familie Hutzler und die Würzburger Hofkellerei versorgen uns mit Getränken – wir genießen den kühlen Frankenschoppen. Vom heutigen Bayern und kommen wir nach Baden – Württemberg. Die Herren von Rieneck sind jetzt unsere Geleitsherren. Der weiße Schan im Wappen unseres Tageszieles Unter-Wittighausen gründet noch auf diese Zeit. Graf Gerhard von Rieneck, ansässig im nahen Grünsfeld , wurde 1336 das Geleitsrecht verliehen. Der Empfang der uns bereitet wird ist wieder unbeschreiblich. Blasmusik spielt auf, der Kirchenchor singt, wir werden verwöhnt mit Krustenbraten und einem frischen Bier der Distelbrauerei. Die Herzlichkeit des Empfangs trägt schnell Früchte, wir kommen den Wittighausenern ins Gespräch, den einen oder die andere sieht man gar zum Walzertakt tanzen. Unsre Seligenstädter Hymne und das Kaufmannslied von Ludwig Bungert erklingen, wieder geht ein Tag zu ende.