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Wir sind Prinzenpaar 2024

Das neue Seligenstädter Prinzenpaar ist nun bekannt, Prinz Peter Kilian I. und Prinzessin Nadja mit ihren Pagen Anastasia und Carlotta.
Bekannt sind uns die Vier als aktive Mitglieder des Kaufmannszuges. Peter Rühl gehört schon seit vielen Jahren dem Orga-Team das Kaufmannszuges an und hält die Truppe zusammen. Seine Prinzessin Nadja Rausch war am Kaufmannszug sehr aktiv im Support-Team und hat dafür gesorgt, dass wir jede Nacht unsere Zelte zum Schlafen hatten. Die Pagen Anastasia Lewerth, hat den Zug mit ihrem Pferd begleitet, und Carlotta Höfling ist mit gelaufen und hat die Fuhrleute beim Fahren unterstützt.
Damit haben wir dieses Jahr ein Kaufmannszug-Prinzenpaar durch und durch.

Zweite Infoveranstaltung

Zusammenfassung der Themen von der 2. Informationsveranstaltung
„Kaufmannszug von Augsburg nach Seligenstadt 2023“ am 23. Oktober 2022

Liebe Kaufmannszügler,

am vergangenen Sonntag konnten wir alle Anwesenden über den aktuellen Stand der Planungen und unsere Aktivitäten in Kenntnis setzen. Weil rund die Hälfte von Euch aus diversen Gründen nicht an­wesend sein konnte, wollen wir Euch auf diesem Wege mit den wichtigsten Informationen versorgen.

Schwerpunkt lag auf der Rollenverteilung und der Gewandung:

  • Wir wollen nicht als Siedlertrack wirken und wünschen uns daher, dass sich neben der Trommler-Truppe („Trommelfeuer“) noch eine Handvoll mehr an Soldaten findet. Ebenso bräuchten wir noch ein halbes Dutzend Kaufleute mehr.
  • Die Hälfte von Euch hat Magd oder Knecht als Rollenwunsch angegeben. Wir erhoffen uns, dass sich aus diesen Reihen noch mehr Reisende, edle Damen, oder Pilger/innen finden. Wer sich das vorstellen kann, möge sich bitte bei uns melden.
  • Wir stellen den Kaufmannszug der Spät-Rokoko-Zeit zwischen 1750 und 1780 dar. Wir wollen ein möglichst authentisches Bild abgeben, weshalb es insbesondere auf Eure Gewandung ankommt.
  • Männer tragen in der Regel Kniebundhosen, weißes Hemd mit Knöpfen und Stehkragen (keine Schnürung), eine Weste (ohne Schulterpolster), ein Halstuch (aus Seide, Leinen oder Baumwolle) sowie einen Dreispitz (verschiedene Formen sind möglich: offen, geschlossen, auch gerne eine Seite nach unten geklappt, verziert mit Blumen, Ähren oder Federn etc.)
  • Kaufleute tragen Kniebundhosen und schmal geschnittene Westen (vorne nicht zu lang – nur bis in den Schritt) und offene, lange Gehrröcke (übers Gesäß reichend) mit Stehkragen und nicht allzu großen Aufschlägen. Je mehr Knöpfe, Zierrat und je bunter (sehr selten und teuer) desto größer das Vermögen des Kaufmanns. Hinweis: reines Schwarz war damals die teuerste Farbe.
  • Frauen tragen Röcke und Mieder (zweigeteilt) darunter ein weißes Gewand (damals auch als Nachtgewand genutzt), ein Hals-/Schultertuch, Häubchen und Schürze. Die Ärmel gehen bis zum Ellbogen oder knapp darüber. Schulterfrei oder freizügige Dekolletés waren im Rokoko verpönt.
  • In der Unter- und Mittelschicht waren meist nur die gedeckten Farbtöne (vorwiegend grün, blau, braun, grau, dunkelrot etc.) erschwinglich. Im Anhang findet ihr ein paar Fotos mit Beispielen von Gewandungen vormaliger Kaufmannszüge sowie künstlerische Darstellungen des Spätrokoko.
  • Auf den nachfolgenden Internetseiten könnt ihr schmökern, Anregungen und Schnittmuster finden oder zeitgenössischer Gewandungen direkt vom Händler beziehen.
    http://www.marquise.de/de/1700/reenactment/index.shtml
    https://neheleniapatterns.com/
    http://www.larpwiki.de/HerrenGewandungBarockRokoko#Die_Hose
    https://www.fjalladis.de
    Http://www.historische-marketenderei.com
    http://schuhnagel.de/
    https://www.samsonhistorical.com/
    https://www.townsends.us/
    https://www.ritterladen.de/
    https://www.kostuemtruhe.de
    Mil-Tec Regenponcho Premium Rip-Stop | bw-online-shop – Regenponcho
    Regenmantel (mlessing.de)
  • Selbstverständlich müsst Ihr Euch nicht vollkommen neu einkleiden und könnt auf bereits vorhandene Gewandungen auch z.B. auf Hemden mit Schnürung zurückgreifen.
    Es sollte nach Möglichkeit aber nicht ins Mittelalter abgleiten.
  • Als unschätzbare Quelle stellt der Fundus des Heimatbundes gerne Gewandungen gegen eine Leihgebühr zur Verfügung (Preise beinhalten die Reinigung, sowie die Mehrwertsteuer):
    Kaufmannsmantel                60 €
    Hose / Rock                           25 €
    Weste / Mieder                      25 €
    Dreispitz / Strohhut         20 €
    Hemd / Bluse                   20 €
    Eigene Reinigung der Gewandungen ist untersagt! Für den ordnungsgemäßen Zustand bei Rückgabe, ist der/die Entleiher/in verantwortlich. Anfallende Reparaturen müssen je nach Aufwand durch die Entleiher/innen getragen werden. Bitte sprecht Willi Eiles direkt an.
  • Für die Tagesetappen solltet ihr bequeme – eingelaufene – Schuhe anziehen. Diese dürfen jedoch nicht bunt sein und brauchen auch nicht über den Knöchel reichen. Wir begehen „gut ausgebaute“ Straßen sowie Feld- und Waldwege.
  • Für all Eure Fragen rund um Gewandung und Rollen steht Euch Robert mit seiner Expertise sehr gerne zur Seite. Bitte sprecht ihn einfach persönlich an oder stellt Eure Fragen gezielt per Mail.
  • Über Helga Holzgreve – Schneiderei Knopploch – könnt ihr Euch natürlich auch eine zeitgenössische Gewandung schneidern lassen.
  • Die Ausübung des Stapelrechts und das historische Marktgeschehen sollen an den Zielorten betont werden – Vorstellung und Verkauf der Waren sowie mögliche Alltagssituationen wollen wir in Form von kleinen Schauspielen aufführen. Mehr hierzu bei unserer nächsten Zusammenkunft.
    Handelswaren Beispiele:
    Kräuter, Gewürze, Tee, Kaffee, Rum, Wein, Kupferwaren, Zinnwaren, Glas, Stoffe, Leder, Mode, Bürsten/Besen, Knöpfe/Nährzubehör, Bücher, Reliquieare Produkte, Lebkuchen, Münzen …
    Wer Ideen hat oder Produkte herstellen kann und verkaufen möchte, meldet sich bitte bei uns.
  • Alle HundebesitzerInnen, die Ihre Vierbeiner mitnehmen wollen und bereits angemeldet haben, werden von Anette zu einem gegenseitigen Kennenlernen auf dem Hundeplatz in Froschhausen eingeladen. Dabei wollen wir unter anderem überprüfen, ob die Hunde untereinander „kompatibel“ sind und mit Pferden sowie ratternden Kutschen klar kommen.
  • Die Teilnahmegebühr inkl. Verpflegungspauschale (Frühstück und Mittag) beträgt pro Woche und pro Teilnehmer/in circa:                
    ab 15 Jahren  Jahrgang 2008 und älter      395,00 €
    11 – 14 Jahre   Jahrgang 2009 – 2012           295,00 €
    6 – 10 Jahre    Jahrgang 2013 – 2017            195,00 €
    bis 5 Jahre     Jahrgang 2018 – 2023           125,00 €
    Die Gebühren wollen wir stabil halten – vorbehaltlich inflationärer Entwicklung und möglicher Versorgungsengpässe. Ende dieses Jahres werden wir sie mit separater Rechnung erheben. Die Zahlung kann dann im Ganzen, oder in zwei Raten zum 01.01. und zum 01.05. geleistet werden.
  • Feldbetten können wir nicht stellen. Es gibt keine Hilfsorganisation, von der wir eine so große Anzahl erhalten könnten und die Leihgebühren mit Reparaturkosten übersteigen die Anschaff­ungskosten. Ein/e jede/r Teilnehmer/in möchte sich bitte um ein eigenes Feldbett bemühen.
  • Die medizinische Versorgung stellen wir sicher. Für den hoffentlich nicht eintretenden Fall der Fälle möchten wir jedoch wissen, wer von Euch eine ErsthelferInnen-Ausbildung hat – letzte Auffrischung nicht älter als 2 Jahre (rückgerechnet von Juni 2023) – oder auf einschlägige medizinische Erfahrungen aus privaten oder beruflichen Gründen zurückgreifen kann. Bitte meldet Euch bei uns per Mail, ob Ihr als ErsthelferInnen zur Verfügung steht, wenn Ihr Euch nicht schon am vergangenen Sonntag in die Liste eingetragen habt.

Bei Fragen und Anregungen könnt Ihre gerne auf uns zukommen.

07.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Samstag 07.06.2003, Obernburg – Seligenstadt

Gott sei Dank, alle sind wohlauf. Die Räuber vom Vorabend waren verhandlungsbereit. Man saß in gemütlicher Runde auf dem Kirchplatz von Obernburg, plötzlich Böller, Stichflammen und Rauch. Eine Schar schwer bewaffneter wilder Gesellen erstürmte den Platz. Zum Glück waren unsere Soldaten auch noch bewaffnet. Ein heftiger Kampf entbrannte, und wir versuchen mit allen Mitteln unser Hab und Gut zu verteidigen. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, zwei Kaufleute wurden entführt. Nur durch die Zahlung eines mit Gold gefüllten Sackes, wurden sie wieder freigegeben. Die Räuber zeigten sich jedoch sozial und verteilten Ihre Beute unter dem gemeinen Volk. Als wir heute früh um 07:40 Uhr zum Frühstück kommen, sind wir schon die Letzten. Die Vorfreude auf die Ankunft in Seligenstadt, mobilisiert wohl die letzten Kräfte. Dennoch, Spannung liegt in der Luft. Die schwere ‚Gesellschaftskutsche’, die wir in Aub zurücklassen mussten, soll heute wieder mitfahren. Sie wurde um 06:00 Uhr in Aub verladen, und soll ab 08:00 Uhr bereitstehen. Da Moritz gestern ausgefallen ist, soll Ben heute wieder zustoßen und mit Nina einen Planwagen ziehen. Er steht aber bereits in seinem Heimatstall und muss erst geholt werden. Da die Zeit drängt, verladen wir kurzerhand einen Planwagen und bringen ihn nach Stockstadt, wo Nina und Ben auf ihn warten. Es soll noch bis 09:35 Uhr dauern bis wir endgültig aufbrechen können. Unsere Strecke ist heute nicht besonders schön, dafür aber umso gefährlicher. Auf der stark befahrenen Landstraße, dem alten ‚Langen Handtuch’, fahren wir die 18 Kilometer nach Stockstadt. Die Zeit ist knapp, denn um 13:00 Uhr sollen wir zur Mittagsrast ankommen. Für uns bedeutet das ein strammes Marschtempo. Umso größer ist dann die Erleichterung, als wir früher als erwartet eintreffen. Wir werden vom Bürgermeister und Vertretern der Stadt begrüßt, die Firma Zeller reicht uns einen kühlen Wein und deftige Speisen. In ‚voller Montur’ geht es weiter Richtung ‚Grasbrücke’. Mit einem flotten Marsch der Stadtkapelle Seligenstadt, werden wir empfangen. Amtmann Alfons Heberer vollzieht die Zeremonie der Geleitsübergabe, und weiß von unserem Räuberüberfall zu berichten. Mit frischen Geleitsreitern zu Pferde, ziehen wir gen Seligenstadt. Die Herolde reihen sich ein (Fanfarenbläser der TGS Seligenstadt) und wir ziehen in Richtung Marktplatz. Überall jubelt man uns zu. Der Empfang am Marktplatz ist mit Worten eigentlich nur schwer zu beschreiben. Der Platz ist gefüllt mit Menschen, die uns zujubeln und klatschen. Nach den Strapazen dieser Woche treibt es uns die Tränen in die Augen. Wir werden durch den Bürgermeister begrüßt und haben die große Ehre in das ‚Goldene Buch’ der Stadt schreiben zu dürfen. Mit einem triumphalen Auszug ziehen wir zu den Mainwiesen. Der Gesangverein ‚Germania 03’ hat uns einen ganz besonderen Empfang bereitet. Anstelle des Löffeltrunkes, müssen wir einen 1 Liter fassen Bierkrug in einem Zug leeren. ‚Wer leer ihn trinkt in einem Zug, hat frei Geleit mit Recht und Fug’, wir schaffen es und können somit eine fürstliche Bewirtung durch die ‚Germanen’ genießen. Lassen Sie mich an dieser Stelle noch einmal allen danken, die dieses Projekt unterstützt haben. Gesondert möchte ich die Seligenstädter Gruppen nennen, die sich aktiv beteiligt haben: Fanfarenbläser TGS , Fahnenschwenker, Jagdhornbläser, Sportschützen, Stadtkapelle, Reitsportverein, Bürgerwehr und natürlich die ‚Spessarträuber’. Wenn ich doch jemanden vergessen haben sollte oder sich jemand auf keinem Bild wiederfindet, bitte ich, es mir nachzusehen. Es war ein tolles Projekt und unbeschreibliches Erlebnis, das nur durch den Idealismus und die Begeisterung aller Mitwirkender gelingen konnte. -Vielen Dank

06.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Freitag 06.06.2003, Miltenberg – Obernburg

Der gestrige Tag steckt noch allen in den Knochen. Die schwere Etappe nach Miltenberg ging wohl bei ‚Ross und Reitern’ bis an die Reserven. Heute am 6. Reisetag bemerkt man bei vielen einen leichten Erschöpfungszustand. Das Aufstehen am Morgen fällt schwerer, jede mögliche Gelegenheit wird für ein kleines ‚Nickerchen’ genutzt. Auch unser Stadtführer vom Vorabend hatte wohl unter der großen Hitze zu leiden. Dennoch sind wir frohen Mutes. Unsere ‚Abfahrtszeremonie’ dauert heute früh jedoch sehr lange. Die Pferde müssen erst aus Eichenbühl, ihrem Einstand der letzten Nacht, geholt werden. Auch fehlen noch ein Pferd und ein Wagen die wir auf unserem Weg zurücklassen mussten. Sie sollen ab Obernburg wieder in den Zug genommen werden. Eines unserer Pferde braucht dringend noch einen Ruhetag, so dass wir wieder ein frisches Pferd mit einbinden müssen. Moritz, der Partner von Nina hatte zu Beginn der Tour Probleme mit einem Huf und soll jetzt die beiden letzten Tage mitlaufen. So zieht gegen 10:20 Uhr, unser Tross durch das schöne Tor der Mainbrücke in Miltenberg. In flottem Tempo durchqueren wir Großheubach und erreichen nach 3 Kilometern, auf der stark befahrenen Straße, den Ort Röllfeld. Beim Durchfahren der alten Ortskerne, auf schmalen mit Steinen bedeckten Straßen, vorbei an wirklich schönen Fachwerkhäusen, wird das Erlebnis unserer ‚Zeitreise’, besonders hervorgehoben. Immer wieder werden uns durch die Bewohner Getränke gereicht, wir erhalten viel Applaus und spontane Spenden. Gegen 12:00 Uhr, erhalten wir dann wieder eine Ernüchterung. Moritz, eines unserer frischen Pferde hat seinen entzündeten Huf wohl noch nicht ganz auskuriert und geht wieder lahm. Wir müssen ausspannen. Es fehlt uns also wieder ein Pferd für die Weiterreise. Gott sei Dank, die großen Steigungen liegen hinter uns. Gegen 13:00 Uhr, wollen wir einen Platz für die Mittagsrast gefunden haben. Wir passieren Klingenberg, auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Die Gemeinde Erlenbach hatte sich in der Zwischenzeit für einen kleinen Empfang angekündigt. So traf es sich recht gut dass hier ein geeigneter Rasplatz vorhanden war. Spontan begrüßten uns die Vertreter der Stadt und des Gewerbevereins. Das Weingut Wengerter spendierte eine Kiste Wein und mehrere Kästen Wasser. Da kann man doch wieder sagen: ‚ So lässt es sich aushalten’. Jetzt müssen wir uns beeilen um pünktlich um 17:00 Uhr in Obernburg zu sein. Der Empfang in Obernburg. soll auch wieder zu einem ‚Highlight’ der Woche werden. Man empfängt uns in historischen Kostümen und führt uns zum Kirchplatz. Wir können unsere Waren feilbieten, die Volkstanzgruppe des Wanderclub Edelweiß Seligenstadt tanzt, wir führen unser Puppenspiel, ‚Eine Geschichte vom Main’, auf und werden natürlich wieder fürstlichst mit Speisen und Getränken versorgt.

05.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Donnerstag 05.06.2003, Külsheim/Eiersheim – Miltenberg

Dank der zufälligen Anwesendheit des hochlöblichen Herrn Oberamtmann, Franz von und zu Sickingen aus Tauberbischofsheim, können wir heute unsere Reise in Külsheim/Eiersheim fortsetzen. Chevalier Morsini, nebst seinem Gefolge wurde unserem Kaufmannszug zugeordnet. Der Gesandte aus Venedig war jedoch weder bereit auf einer vorgeschriebenen Route zu reisen, noch den Geleitszoll zu zahlen. Dank des Herrn Oberamtmann konnte das Patent zur freien Reise, ausgestellt von ihrer Römisch Kaiserlichen Majestät Leopold, übersetzt und die Verwechslung aufgeklärt werden. Soweit ein Ausschnitt, aus einem kurzen Schauspiel, das am gestrigen Abend vorgestellt wurde. Herr Schopp hatte dazu die Recherchen geführt und das Drehbuch geschrieben. So starten wir also wieder bei bestem Wetter gegen 09:20 Uhr in Richtung Uissigheim. Mit einem Ritt durch Feldwege in einer herrlichen Landschaft, beginnt der Tag. Wenn da nur nicht diese Steigungen wären! Trotzdem kommen wir gut voran. Um 10:30 gönnen wir unseren Pferden eine kurze Rast. Die geleistete Arbeit steht ihnen im wahrsten Sinne des Worte im Gesicht geschrieben. Weiter geht unser Weg wieder durch herrliche Felder und weit und breit kein Schatten. Noch ahnt keiner der Teilnehmer, dass uns heute aus jeder Sicht gesehen die ‚Königsetappe’ bevorsteht. Trotz der anhaltenden Steigungen kommen wir aber weiter gut voran. Um 11:00 kommen wir durch Külsheim, wo wunderschön geschmückte Brunnen unseren Weg säumen. Immer wieder treffen wir Leute und Kindergartengruppen, die am Wegrand stehen und klatschen. Unser Vorrat an Lebkuchen und Bonbons ist noch nicht aufgebraucht, so dass wir den ‚Kleinen’ eine Freude machen können. Gegen 11:30 Uhr erreichen wir Hundheim und um 12:20 die Grillhütte für unsere Mittagsrast. Eigentlich sollte es Gegrilltes zum Mittagessen geben. Ein Sponsor versorgt uns jedoch spontan mit Putengeschnetzeltem und Reis, auch nicht schlecht oder? Durch das Mittagessen gekräftigt, müssen wir eine Entscheidung treffen. Ben, eines der Zugpferde ist in einem schlechten Zustand. Wir beschließen Ihn aus dem Zug zu nehmen. In Folge müssen wir auch auf eine der Kutschen für die Weiterfahrt verzichten. Transporte müssen organisiert, und das Gepäck muss umverteilt werden. Um 14:00 können wir wieder aufbrechen. Leider haben wir erst ein Drittel unserer Tageskilometer bewältigt und eine lange Steigung über eine Landstraße wartet noch auf uns. Gegen 16:40 erreichen wir den Abzweig auf ein Stück des originalen Handelsweges. Wir verlassen die geplante Route und fahren, teils auf dem alten erhaltenen Wegepflaster, durch dichten Wald nach Eichenbühl. Dieses Wegstück soll uns nun endgültig Jahrhunderte zurückversetzen. Spontan werden wir vom Eichenbühler Bürgermeister begrüßt. Leider bleibt keine große Zeit für ein Gespräch, denn in Miltenberg wartet bereits eine Musikkapelle auf uns. Und wieder ziehen wir mit Pauken und Trompeten in die Stadt ein. Bei einem Empfang auf dem Marktplatz, demonstrieren wir das ‚Stapelrecht’, nach dem alle durchreisenden Kaufleute ihre Waren feilbieten müssen. Als besonderes Schmankerl wartet noch eine, durch einen Lautenspieler begleitete, Stadtführung auf uns.

04.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Mittwoch 04.06.2003, Unterwittighausen – Külsheim/Eiersheim

04. Juni, 5. Tag des Kaufmannszuges. Der ortsansässige Hahn weckt die Reisenden mit einem kräftigen Laut aus der Kehle. Nach einem kräftigen Frühstück und dem Anspannen der Pferde ührt unser Weg diesmal durch das sonnige Taubertal in Richtung Külsheim-Eiersheim. Der Weg stellt für Ross, Reiter und Gefolgsleute eine grosse Herausforderung dar, enorme Steigungen und Gefälle sind heute an der Tagesordnung. Auch ein Fernsehteam des Südwestrundfunks begleitet uns durch die Ortschaften Zimmern und Grünsfeld. In bleibender Erinnerung werden uns bestimmt die Kinder eines Kindergartens sein, die uns mit eigens gebastelten Fähnchen am Wegesrand mit grossen Kinderaugen begrüssen. Für manchen ein herzergreifendes Erlebnis. Unser Weg führt uns dann in Richtung Tauberbischofsheim, wo auch unser heutiger Rastplatz sich befindet. Der Platz ist etwas besonderes, auf weissen Schildern steht geschrieben: Vorsicht militärischer Sicherheitsbereich, Betreten verboten, Vorsicht Schusswaffengebrauch. Wir sind am Rande des Truppenübungsplatzes der Bundeswehr Tauberbischofsheim. Eine deftige Brotzeit, Wassermelonen, geräucherter Schinken werden von unseren eifrigen Mägden dargereicht. Der volle Magen und die Strapazen des Vormittags zeigen ihre Wirkung wie einzelne Bilder im Anhang dokumentieren. Nach etwa zwei Stunden der Rast, machen wir uns nun auf die letzte Etappe des Tages. Entlang von Tauberbischofsheim müssen wir nun die letzte Höhe erklimmen. Grosse Erleichterung macht sich breit, nachdem alle Tiere, Wagen und Teilnehmer den Scheitel erreichen. Mit Fahnen, Trompeten und Trommel ziehen wir in Kühlsheim-Eiersheim ein. Auch hier erleben wir einen wunderbaren und freundschaftlichen Empfang durch die Bürgerinnen und Bürger. Fanfarenbläser begrüssen den Kaufmannszug in ihrer Stadt. Nach der offiziellen Begrüssung durch den Bürgermeister und dem Gruss der Reisenden an die Stadt folgt ein herzliches Beisammensein bei deftiger Brotzeit und vor allem durch den heimatlichen Fisch unserer Fischerzunft, angeführt von Peter Beike.

03.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Dienstag 03.06.2003, Aub – Unterwittighausen

Heute geht alles etwas gemächlicher, zum Glück liegt nur eine kleine Etappe mit keinen nennenswerten Steigungen vor uns. Die Begeisterung unserer „Kompanie“ vom gestrigen Abend hält immer noch an. Die Festnahme unseres „Eiligen Willi“ und Verurteilung durch das Stadtgericht ist in aller Munde. Die Stadtväter von Aub, komplett in einheitlicher historischer Garderobe, nahmen unserem Willi sein volles Kerbholz ab und verurteilten ihn zu einer halben Stunde „Sitzpranger“. Der wegen „Hochstapelei“ Verurteilte mußte die halbe Stunde auf dem luftigen Balkon am Rathaus in 4 Meter Höhe aussitzen. Nach dem anschließenden Bieranstich, konnte an der für uns vorbereiteten 25 Meter langen Tafel das Festmahl beginnen. Die Kontrolle der Pferde bringt dann leider die Ernüchterung. Zwei Pferde haben sich nachts getreten, eines ist an der Hüfte verletzt und geht lahm. Für uns heißt das, wir müssen einen schweren Wagen samt Pferden am Quartier zurücklassen und abends nachholen. So starten wir mit einer auf 5 Fuhrwerke verkleinerten Kolonne in den Tag. Begleitet durch ein Polizeifahrzeug, passieren wir den Stadtbereich und scheren dann in einen Feldweg ein. Durch eine sanfte Hügellandschaft fahrend, kommen wir in einem flotten Reisetempo, vorbei an Riedenheim, um 12:00 Uhr in Stalldorf an. Beim Gasthof „Zum Hirschen“ beziehen wir unser Mittagsquartier. Spontan werden wir durch den Bürgermeister des Ortes samt seinem Stellvertreter begrüßt. Für die Pferde sind perfekte Stallungen vorhanden und wir werden mit herrlichen Rippchen und Sauerkraut durch den Wirt verwöhnt. Die Würzburger Hofkellerei spendiert uns dazu einen herrlich frischen Frankenwein. So lässt es sich aushalten. Erst gegen 15:00 Uhr brechen wir wieder auf. Wir passieren zunächst die Ortschaften Simmringen, Bütthard und erreichen um 17:00 Uhr unser Tagesziel Unterwittighausen. 2 Stunden Fahrt auf stillen Wegen, durch herrlich blühende Felder liegen hinter uns. Und wieder werden wir mit einer Herzlichkeit begrüßt, wie man sie selten erlebt. Wir bieten unsere Waren feil und beziehen unser Nachtquartier im Gasthof „Zum Bären“. Ein herrlicher Tag liegt hinter uns. 

02.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Montag 02.06.2003, Bad Windsheim – Aub

Heute schallte das Geräusch von Pferdehufen und eisenbereiften Fuhrwerken bereits um 9:00 Uhr durch die Straßen von Bad Windsheim. Durch das schöne Wetter lag die gefühlte Temperatur bereits zu diesem Zeitpunkt bei über 20 Grad Celsius und es war allen Teilnehmern klar, daß die Quecksilbersäule auch an diesem Tag die 30 Grad-Marke erreichen würde. Viele Menschen winken uns zu, wünschen uns viel Glück und bringen uns die bereits im Vorfeld der Fahrt mehrfach festgestellte Herzlichkeit entgegen. Für die Fuhrleute hat der Tag bereits um 5:00 uhr begonnen. Ihr unermüdlicher Fleiß lässt die Pferde in bester Verfassung an den Start gehen und zu diesem Zeitpunkt ahnt noch niemand, was auf die Reisegesellschaft wartet. Der Tross kommt gut voran. Die Fahrt geht über Wiebelsheim, Ergersheim, Seenheim und Rudolzhofen dem Mittagsziel Uttenhofen entgegen. In Ergersheim wird ein kurzer Tränkestopp für die Pferde eingelegt – die Hitze wird langsam unerträglich. Einer der Fuhrmänner bemerkt: „Die Gäul wern immer langsamr, die Frische lässt nach!“ Schon kurze Zeit später nimmt das Schicksal seinen Lauf. Aus 2 schlappen Pferden, werden schnell 8! Am Mittagsziel Uttenhofen angekommen, treffen die Verantwortlichen die Entscheidung, daß die betroffenen Pferde mit Pferdeanhängern nach Aub gebracht werden. Der Gesellschaftswagen, ein Planwagen sowie eine Reisekutsche werden Huckepack Richtung Tagesziel gebracht. Lediglich ein Planwagen, 2 Reisekutschen und 3 Geleitsreitersetzen die Reise in der ursprünglich angedachten Art und Weise fort. Etwa 1 Kilometer vor Aub wir der Kaufmannszug wieder vollständig aufgestellt und zieht anschließend in Aub ein. Der Empfang der uns dort bereitet wird, ist mit Worten eigentlich nicht zu beschreiben. Viele hundert Menschen säumen die Straßen und der Marktplatz quillt über vor Menschen. Sie jubeln dem Kaufmannszug zu und klatschen – Gänsehaut macht sich breit. Wir dürfen einen perfekt organisierten Empfang beiwohnen, der seinesgleichen sucht. Die Feierlichkeiten dauern bis spät in die Nacht.

01.06.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Sonntag 01.06.2003, Langenzenn – Bad Windsheim

Heute früh wurde um 9:30 Uhr zum Aufbruch geblasen. Für die Fuhrleute hatte der Tag jedoch schon um 5:30 Uhr begonnen. Die Pferde mussten gefüttert und die Ställe ausgemistet werden. Kaum 500 Meter gefahren, hatten wir schon wieder einen Defekt. Die Bremse eines Planwagens war nich vollständig gelöst und führte zur Blockade eines Rades. Jetzt um 11:00 Uhr haben wir 1,5 Stunden Fahrt in schöner Landschaft hinter uns, es läuft alles reibungslos. Wir liegen in unserem Zeitplan und werden unser Mittagsziel rechtzeitig erreichen. 12:30 Uhr, der Vortrupp ist am Mittagsziel. Die lange Steigung vor Markt Erlbach hat viel Zeit und Schweiß gekostet, bei nahezu 30 Grad Celsious mussten Alle die 2 Kilometer lange Steigung laufen. Es dauert noch eine volle halbe Stunde bis alle Wagen die Steigung nach Hagenhofen überwinden und unser Gasthaus für die Mittagsrast erreichen. Der Gasthof Hellwig sei an dieser Stelle besonders genannt. Eigens für den Kaufmannszug war eine Speisekarte gedruckt. Vielen Dank an den Wirt und sein Team für die perfekte Bewirtung von Roß und Reiter. Da es heute sehr heiß ist, müssen alle Achsen geschmiert werden. Das Fett erreicht so hohe Temperaturen, daß es aus den Lagerbuchsen läuft. Nachdem alle Wagen und Pferde versorgt sind, bleibt für die Fuhrleute nur noch wenig Zeit für das Mittagessen. Um 15:15 Uhr bricht die löbliche Kompanie auf. Und wieder heißt es die nächte halbe Stunde schwitzen, denn eine lange Steigung führt hinauf nach Linden und alle müssen gehen. Die Höhe ist jetzt erreicht, die nächsten 7 Kilometer verlaufen über sanfte Hügel. Auf Grund der defekten Bremse vom Morgen, muß der Wagen jetzt bei Abfahrten durch die Besatzung gehalten werden. Um 18:30 Uhr erreichen wir Bad Windsheim, leider 2 Stunden später als geplant. Dennoch erwartet uns ein glänzender Empfang am Holzplatz. Das Seligenstädter Geleitswesen wird präsentiert, anschließend fahren wir ins Freilichtmuseum zu unserem Nachtlager. Der Tag endet im Biergarten der Museumsklause bei frischem Bier und mittelalterlicher Musik. Auch hier muß man dem Wirt ein dickes Lob aussprechen.

31.05.2003

Kaufmannszug Nürnberg – Seligenstadt 2003
Samstag 31.05.2003, Nürnberg-Langenzenn 

Gestern, am 30. Mai sind die Kutschen, Planwagen und Pferde beriets mit LKW´s nach Nürnberg gebracht worden. Leider ist wieder ein Pferd mit Hufproblemen ausgefallen. es war jetzt das Dritte und zwingt uns im Vorfeld, schon auf Ersatzpferde zuzugreifen. Bereits um 5:30 Uhr startet ein Kleinbus mit Teilnehmern, um im Pferdequartier auf die Mannschaft vom Freitag zu treffen. Gemeinsam soll mit den Kutschen zum Hauptmarkt gefahren werden. Dort erwartet man die restlichen 50Teilnehmer. Um 9:45 Uhr sollen die Fuhrwerke Aufstellung nehmen und um 10:00 Uhrsoll das Grußwort eines Bürgermeisters gesprochen werden. Leider ist weder ein Bürgermeister noch ein Ansprechpartner für uns greifbar, die Stimmung ist gereizt. Später stellt sich heraus, daß man im Nürnberger Rathaus trotz schriftlicher Absprachen falsche Uhrzeiten weitergegeben hatte. Trotz dieser Anlaufschwierigkeiten gibt es eine schöne Verabschiedung und einen beeindruckenden Auszug aus der Stadt. Über 90 Aktive ziehen von Trommeln und Fanfaren begleitet durch Nürnberg. Zu diesem Zeitpunkt begleitet uns bereits ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks. Keine 10 Kilometer weiter holt uns die Wirklichkeit ein. Die Nabe eines Fuhrwerks läuft heiß, das Rad muß demontiert, gekühlt und neu gefettet werden. Diese Art von Panne zwingt uns noch zwei witere Male zu Pausen. Dadurch hinken wir unserem Zeitplan schon zwei Stunden hinterher. Trotzdem werden wir sehr herzlich zur verspäteten Mittagsrast in Seukebdorf empfangen. Begleitet von Jagdhornbläsern begrüßen uns die Stadtväter und wir genießen bei sommerlichen Temperaturen die kühlen Getränke und Nürnberger Bratwürste, die man uns anbietet. Unsere Pferde haben zu diesem Zeitpunk bereits 20 Kilometer Schwerstarbeit hinter sich und laben sich an dem saftigen Gras auf der Weide. Nur noch 5 Kilometer trennen uns jetzt von unserem Etappenziel Langenzenn. Bei einem Gläschen Sekt samt singendem Bürgermeister, werden wir im Rathaus empfangen. Ein schöner Tag liegt hinter uns, um die Pferde zu schonen, wurden etliche Kilometer gewandert und die Teilnehmer sind sichtlich müde.