Geleitswege bei Seligenstadt

Die Geleitsstraße in der Fautei Seligenstadt und ihre „Schläge“

Seligenstadt wurde im 16. Jahrhundert im Wechsel mit Aschaffenburg Übernachtungsort des Geleits. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde es Rastort zur Mittagszeit, sowohl auf der Hin- als auch auf der Rückreise. Um diese Zeit, kurz nach dem Kriege, muss auch die Ausübung des Hänselbrauchs(Löffeltrunk) der Kaufleute in Seligenstadt eingeführt worden sein. Die Nürnberger, sowie die Augsburger Kaufleute kehrten in der Herberge ‚Zum Wolf’ (heutiger Frankfurter Hof) ein und hänselten hier gemeinsam ihre Neulinge. Im Jahre 1690 zog die Augsburger Bruderschaft in das Gasthaus ‚Zum Ochsen’ um und führte fortan ihr eigenes Hänselbuch. Als der ‚Wolfswirt’ Geörg Adam Urschlauer das Gasthaus ‚Zum Riesen` erbaute, siedelte die Nürnberger Gilde 1721 dorthin um. Bis zum Ende des Geleites gebrauchten sie jetzt einen neuen Hänsellöffel und ein neues Hänselbuch. Wer diesen 1Liter fassenden Holzlöffel voll Wein, in einem Zug leeren konnte, wurde in die Gemeinschaft der ‚löblichen Compagnie’ aufgenommen. Diese Zeremonie war kein Scherz, sondern stellte einen verbindlichen Rechtsbrauch dar. So kann man auf den Löffeln lesen:

Hier pflegt man einzuschenken,
Und dabei zu gedenken,
Was Recht der Löffel hat.

Der im 15. Jahrhundert eingeführte Straßenzwang, war die Voraussetzung für eine reibungslos funktionierende Straßensicherung. Die Geleitsstraße in der Fautei Seligenstadt verlief von der „Grasbrücke“ bei Stockstadt, an Mainflingen und Klein-Welzheim auf der „hohen Straße“ vorbei nach Seligenstadt, weiter über Klein-Krotzenburg, Hainstadt und Klein-Auheim bis zum „Ziegelofen“ (anscheinend eine Ziegelbrennerei vor Steinheim). Diese Strecke wurde von dem Seligenstädter Faut und seinem Knecht während der vierzehntägigen Messezeit täglich „beritten“(kontrolliert) damit kein Reisender einen Seitenweg einschlagen konnte. Die „Schläge“, an denen die Geleitsstraße durch einen Schlagbaum gesperrt werden konnte waren:

Die Grasbrücke

Sie liegt zwischen Mainflingen und Stockstadt, an der heutigen hessisch-bayerischen Grenze und führte über die Bachgauer Landwehr. Diese bestand aus einem tiefen Graben mit Wall und dichter Hecke und trennte die Zenten Seligenstadt und Bachgau voneinander. Vor der Grasbrücke war ein Schlagbaum errichtet. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage zerstört, Brücke und Schlag lagen bis 1656 „ruiniert“.


Die Grasbrücke zwischen Mainhausen und Stockstadt, Zustand 2012

Der Schlag oberhalb von Hainstadt

Er war der südliche Pass der Rodgauer Landwehr, welche die Zent Steinheim und Teile der Zent Rodgau umschloss.

Der Schlag bei Klein-Auheim

Hier hat wohl auch der „Ziegelofen“ gestanden, bei dem das Geleit von den Beamten des Oberamts Aschaffenburg an den Amtmann von Steinheim übergeben wurde.