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14.06.2019

In Eisenbach zu Gast bei Freunden – Erinnerungen an unbeschwerte Tage

Fast zwei Jahre ist es her, als sich der Kaufmannszug von Augsburg aus auf den beschwerlichen Weg nach Seligenstadt gemacht hat. Über 300 Akteure, 50 Supporter rund um Transport, Auf- und Abbau sowie Verpflegung, fast 20 Fuhrwerke und über 40 Pferde. Eine Gemeinschaft, die seines gleichen sucht. Jeder kannte seine Aufgaben, jeder hat mit angepackt wo immer nötig und am Ende eines jeden Tages hat man gemeinsam gefeiert und die Erlebnisse des Tages in geselliger Fröhlichkeit am Lagerfeuer geteilt.

Entschleunigt und mit einem klaren Ziel vor Augen, haben wir uns dem Alltagstrott und vielen Bequemlichkeiten der modernen Zivilisation entzogen. Für mich persönlich ein wohltuende Erfahrung; einmal den Arbeitsalltag, den ganzen Stress, die vollen Züge und die Hektik sowie Lautstärke der Mainmetropole hinter sich zu lassen; fast wie Urlaub auf einer Insel der Glückseligkeit. An diese unbeschwerte Zeit denke ich gerade in der aktuellen Phase der Pandemie häufig und sehr gerne zurück.

Rückblickend hatten wir richtig Glück, dass der Kaufmannszug stattfinden konnte. Schon ein Jahr später musste der Zunft- und Handwerkermarkt wegen Corona abgesagt werden. Auch dieses Jahr wird das kulturelle und gesellschaftliche Leben weiter auf Sparflamme köcheln. Keine Feste, keine Konzerte, nur virtuelle Treffen. Wir alle sehnen uns wieder nach ein bisschen Normalität. Vielleicht ist es genau diese Sehnsucht, die uns in Erinnerungen schwelgen und darauf hoffen lässt, diese Erfahrungen nochmals machen zu dürfen.

Erst vor kurzem habe ich an unsere Ankunft in Eisenbach, unserer letzten Station vor Seligenstadt, denken müssen oder besser gesagt dürfen. Im Pilgerspfad haben wir kurz Rast gemacht und uns „aufgerödelt“ … die Gewandung gerichtet, am Wegesrand gepflückte Blumen ans Revers gesteckt, die eigenen Haare und Schweife der Pferde geflochten, Fuhrwerke rausgeputzt und die Garde mit Fahnenschwenker und Trommler nach vorne geschickt.

Am Rainchestalgraben wurden wir von den berittenen Fanfarenbläsern und der historischen Bürgergarde in Empfang genommen und durch die Straßen der Stadt mit großem Getöse geleitet. Eine riesige Begeisterung und Herzlichkeit der Eisenbacher schwappte uns entgegen. Ein wenig irritiert nahm ich zuerst zahlreiche „Seligenstadt Helau“ Rufe wahr. Sie vermischten jedoch schnell mit den Jubel-Schreien, die dann auch die Überhand behielten. Von Haus zu Haus gespannte Girlanden und Fahnen an jeder Ecke bildeten einen standesgemäß bunten Rahmen.

Die Straßen, Fenster und Hofeinfahrten gesäumt mit begeisterten Menschen, die schon sehnsüchtig die Ankunft des Kaufmannszug erwartenden. Und zwischendrin viele bekannte Gesichter. Freunde, Bekannte und Familienmitglieder, die uns die letzten beiden Wochen aus der Ferne beobachtet und in Gedanken begleitet haben. Alle sind sie uns entgegengereist, um uns schon am Vorabend der Ankunft in unserer Heimatstadt in den Arm zu nehmen.

Vom Bürgermeister der Stadt und der noch amtierenden Mirabellenkönigin sowie weiteren Gemeindevertretern wurden wir herzlichst begrüßt und auf eine ausgelassene Feier eingestimmt. Bevor wir jedoch die Festlichkeiten genießen konnten, wurden wie jeden Tag zuerst die Pferde ausgespannt und auf der eigens dafür errichteten Koppel versorgt. Kurz darauf versammelten wir uns alle auf dem von der Freiwilligen Feuerwehr phantastisch hergerichteten Festplatz.

Vor der Bühne waren die Sitzbänke aufgereiht, drum herum gab es mehr als ein Dutzend Stände mit herrlichen Köstlichkeiten und sogar eine Bar, an der man Cocktails bekam; vielleicht nicht ganz in die Zeit des Kaufmannszuges passend, aber äußerst wohlschmeckend. Dennoch rann den meisten Kehlen kühles Bier hinunter. Eigens mitgebrachte kleine Löffel, die vielleicht einen halben Liter oder auch mehr fassten, wurden gefühlt und mit einem Zug geleert.

Die Gläser erhoben und von zünftiger Musik der ‘8 Franken‘ begleitet wurde Gesang angestimmt und bis tief in die Nacht gefeiert. Zum Abschluss bot das ‘Trommlerfeuer‘ in Begleitung der Muski-Kapelle „Amazing Grace“ dar; kurzer Hand hinter der Bühne improvisiert einstudiert.

Erschöpft von den Strapazen der vergangenen Tage aber auch erleichtert, mit allen wohlbehalten und ohne größere Probleme so weit gekommen zu sein, fand ich dann noch den nötigen Schlaf, um auch für die letzte Etappe gewappnet zu sein.

So kurz vor dem Ziel setzt man ungeahnte Kräfte und Ausdauer frei und lässt sich auch nicht davon abschrecken, den längsten Teilabschnitt des gesamten Zuges noch vor sich zu haben.

12.06.2019

Am Pranger von Külsheim

Die Nacht verbrachten wir in der Reithalle des Reit- und Fahrvereins TBB. Wir erwachten zwar mit einem überaus dominanten Pferdegeruch in der Nase, hatten aber alle eine sehr erholsame Nacht.

Nach dem Frühstück ging es mit 11 Minuten Verspätung „pünktlich“ um 11:11Uhr los. Wir machten uns auf den 15,7km-langen Weg nach Külsheim. Die erste Etappe des Zuges startete mit Regen und starkem Wind, wovon wir uns natürlich nicht unterkriegen ließen und uns mit vollster Motivation auf den Weg machten. Für viele startete also die erste Etappe in der trockenen Kutsche. Dort wurde sich mit viel Gesang, Kartenspielen und unterhaltsamen Gesprächen bei Laune gehalten.

Um 12.35 Uhr erreichten wir nach ca. 7km, teils sehr durchnässt, die Mittagsrast in Eiersheim. Dort konnten wir zur Freude aller im trockenen Gemeindezentrum zwei Stunden Rast halten. Wir freuten uns über die schönen Sanitären-Anlagen sowie die Gelegenheit sich und die durchnässten Klamotten einigermaßen zu trocknen. Kaffee sowie Tee waren perfekt, um sich zusätzlich aufzuwärmen. Während der Pause wurde außerdem die ein oder andere Näharbeit an gerissenen Hosen und Hemden verrichtet. Gegen 13:15 Uhr wurde die Essentheke mit Hackbraten und Kartoffelsalat eröffnet. Dies wurde vom „grünen Baum“ aus Klein-Auheim gesponsert, worüber wir alle sehr dankbar waren.  Als Nachtisch kredenzte man uns leckere rote Grütze mit Vanillepudding.

Um 14 Uhr machte Katrin B. eine Ansage, dass aufgrund des schlechten Wetters die Hotelschläfer mit dem Bus gerne schon früher in ihre Unterkunft gebracht werden können. Um sich die Aufmerksamkeit aller zu verschaffen, klopfte Sie voller Elan auf die Bierflasche und brachte diese natürlich, zum Lachen aller, zum überlaufen.

Kurz vor Aufbruch gratulierten wir der Jubilarin Josefine mit einem Geburtstagsständchen zu ihrem Geburtstag.

Um 15Uhr setzen wir uns wieder in Bewegung und starteten mit der zweiten Etappe zu unserem Ziel in Külsheim. Zur Freude aller klarte sich der Himmel auf und sogar die Sonne kam zum Vorschein. So ging es also für viele zu Fuß weiter. Kurz vor Külsheim wurde ein kurzer Stopp zum „aufrödeln“ eingelegt um einen besonderen Eindruck bei den Bewohnern von Külsheim zu hinterlassen. Dort wurden wir um 17 Uhr freundlich in Empfang genommen. Bürgermeister Thomas Schlegelmann und Marktmeister Thomas Hilpert begrüßte uns und Letzterer klärte uns über die „zehn Gebote“ des Ortes zum allgemeinen sittlichen Verhalten auf. Abschließend wurde aus unseren Reihen ein Spitzbub für den Pranger gesucht. Die Auswahl dauerte nicht lange an und der Schuldige S. Kaiser wurde für verschiedene Schandtaten einige qualvolle Minuten angeprangert.

Durch das vor Kurzem gefeierte Burkurzweyl waren verschiedene historische Stände auf dem städtischen Festplatz um die Burg aufgebaut. Vor allem das abwechslungsreiche Essen und das Karussell beeindruckten uns sehr. Um 19 Uhr konnte zudem an einer Stadtführung teilgenommen werden.

Den restlichen Abend verbrachten wir gemeinsam mit den Külsheimern auf dem Festplatz. Mit viel Spaß feierten wir ausgelassen. Karussell fahren, die Aussicht vom Burgturm zu genießen, zu tanzen und zu singen waren Teil davon.

Zum glorreichen Abschluss hisste Felix St. Die „sellestädter“ Flagge auf dem örtlichen Burgturm und zu guter Letzt leistete sich Fuhrmann Toni das tägliche Missgeschick, indem er den Nover-Bus mit herabfallenden Gattern demolierte.

Wir bedanken uns für die Gastfreundschaft der Külsheimer mit einem lauten Jubel.


Anne E. & Jessi L.

11.06.2019

Tauberbischofsheim – Ein Hoch auf den Support!

Schon heute Morgen, bevor wir losfuhren, hatten einige von uns vor Rührung Tränen in den Augen. Frau Josefine Kemmer aus Grünsfeld (Ortsteil Zimmern) brachte für die Kinder etwas Süßes vorbei und eine Karte mit lieben Worten und dass sie wieder winken würde. Nachdem sich jeder von uns, dank des spitzen Küchensupport-Teams, für den Tag gestärkt hatte, ging es um halb elf von Unterwittighausen in Richtung Tauberbischofsheim. Zum Glück trocken und unfallfrei kamen wir gegen halb zwei zu unserer heutigen Mittagsrast. An einem Feldweg mit großen Wiesen, auf denen sich schöne Wildblumen und einige Schmetterlingsraupen fanden, wurden wir vom Küchensupport köstlichst versorgt. Jede Menge Brötchen wurden für uns alle (160 Personen) geschmiert und belegt.

Während wir uns hier auf den Wiesen ausruhen, bereitet der Support schon fleißig alles für unsere Ankunft vor. Für 32 Pferde müssen Gatter auf-, Futter bereitgestellt und die Wassertröge befüllt werden. Wie schon die Woche zuvor, sind wir eine eingeschweißte Truppe.

Nach der Mittagsrast schallte es mal wieder nach ein paar Metern „Stop“; an einem Pferdegeschirr musste etwas gerichtet werden. Nach wenigen Minuten zogen wir um ca. 15 Uhr weiter.

Steil bergauf und steil bergab, liefen wir die Strecke ab. Die Fotografen am Fuße unten warten, für Bilder die kann jeder sehen, muss nur auf die Website gehen. Die Pferde gehen strammen Schritt, so dass kommt manch anderer nicht mit. Dichten kann ich nicht so gut, dennoch sitzt der Hut.

Der weitere Weg verlief ohne Zwischenfälle. In Tauberbischofsheim angekommen, wurden wir wie immer herzlichst vom Bürgermeister begrüßt. Die Händler präsentierten ihre Waren auf dem Marktplatz. Nach dem Empfang marschierten wir weiter zu unserem Quartier auf dem Pferdehof des örtlichen Reitvereins.

Dort empfang uns der Support mit den aufgebauten Gattern. Wieder ein erfolgreicher Tag, der hinter uns liegt. Nun wird im Lager wieder gefeiert und natürlich der Geburtstag unseres Fuhrmanns Klaus!

Apolonia

10.06.2019

Viel los auf der Route nach Unterwittighausen

Pfingstmontagmorgen, für andere ein Feiertag, für uns geht endlich die 2. Woche von Aub nach Seligenstadt los. Nachdem es ein leckeres Frühstück auch für die Zeltschläfer im Gasthaus zum Weißen Roß gab, fanden wir uns alle auf dem Lagerplatz ein.

Alle packten fleißig mit an: Zeltabbau, Pferdeboxen ausmisten, Küchensupport unterstützen usw., so dass wir um kurz vor 10 Uhr Roberts Ansprache für den heutigen Zugweg anhören konnten. Danach haben wir dem Geburtskind Heike ein Ständchen gesungen und der Kaufmannszug fuhr los.

11:15 Uhr ging ein Aufschrei durch das hintere Drittel des Zuges: „ Stop! Speichenbruch bei Hans‘ Kutsche hinten rechts!“ Zum Glück hat unser lieber Support – Gerd die Ersatzkutsche hergefahren. Das Wetter war zu dieser Zeit noch perfekt, Sonne und Wolken im Wechsel. Es dauerte nicht mehr lange und wir erreichten unsere Mittagsrast in Stalldorf.

Ein Landwirt vor Ort baute sogar für uns Tische und Bänke auf und Privatleute stellten ihr Besteck zur Verfügung, da unseres zu wenig war. Hier war für uns ein tolles Buffet von der Küche aufgebaut!

Nachdem unser Pferde und Fuhrleute versorgt waren, und auch wir uns am Buffet gestärkt hatten, konnte man auf einer schönen Wiese entspannen.

Währenddessen musste bei Toni und Walter leider das Pferd Heidi durch Desperado ersetzt werden. Heidi hatte in der 1. Woche so freudig die Kutsche gezogen, dass sie sich im Brustbereich wundgescheuert hatte und heimgeschickt wurde.

15:00 Uhr war Abfahrt, doch o Weh! Nach wenigen Metern schon, wieder ein Stop – Ruf: Utes Pferd Bruno, der nach der Rast vor den Einspänner gespannt wurde, hat sich dann vor Aufregung in der Schere (Deichsel) verkeilt. Somit ein Ausfall von Kutsche und Pferd. Dann ging es endlich weiter…nach 100m der nächste Stop-Schrei: „Seppl hat ein Hufeisen verloren!“ Zum Glück war Leo, der Hufschmid, direkt zur Stelle und konnte das Pferd neu beschlagen.

Währenddessen wurden die 1. Reparaturarbeiten an so mancher Gewandung erledigt. Kaum waren wir wieder unterwegs, kamen die angekündigten Regenschauer, doch die Stimmung war super, dass in manchen Kutschen die 1. Lieder und lautes Gelache erklungen.

Es regnete sich heftig ein und der Einzug des Kaufmannszuges in Unterwittighausen fand 1,5 Stunden später als geplant statt. Die Einwohner harrten die ganze Zeit im Dauerregen aus, um uns in Empfang zu nehmen.

Das Support Team war heute auch Spitze! Es stellte alle Zelte vor dem großen Regen auf und baute sogar einen „Regenschutzunterstand-Dings-Bums“ mit viel Liebe auf. Die Unterwittighausener Feuerwehrjugend rollte ihren Wasserschlauch fast einen Kilometer für unsere Pferde und Zeltschläfer aus.

Ein Jubel auf unseren 1. aktiven Tag !

Christine und Moni

09.06.2019

Ruhetag – Zeit der Besinnung und Erholung

Natürlich haben wir die gestrige Nacht bis in die frühen Morgen verlängert und lange erschallten vom Lagerfeuer her die  Lieder zu den Klängen von Gitarre und Akkordeon.
‚Vom Barette schwingt die Feder, biegt und windet im Winde sich………‘,  ‚Es gibt ja nichts schönres ,

als ein Fuhrmann zu sein……‘  oder auch ‚Hoch auf dem gelben Wagen…‘, sind Lieder aus dem Repertoire von uns ‚Kaufmannszüglern‘. Mit über 300 Gästen, dem Zusammentreffen der Teilnehmer aus der ersten und zweiten Kaufmannszugwoche, waren wir eine beachtliche Festgemeinschaft im Spitalgarten von Aub.

Doch heute ist Sonntag, Ruhetag in Aub, eine verdiente Pause für unsere Pferde, leider nicht für unser Supportteam. Fuhrwerke müssen gewartet, das Lager in Stand gehalten werden, und selbst am morgendlichen Gottesdienst können nicht alle teilnehmen, eine ‚Wache‘ muss im Lager bei den Pferden bleiben.
Der festliche Gottesdienst, hat Tradition in Aub und schon der ‚lange‘ Einzug durch die Kirche, mit uns Trommlern vorneweg, sorgte für die sprichwörtliche ‚Gänsehaut‘. Burkard Fleckenstein, Pastoralreferent in Aub, zelebrierte den Gottesdienst auf seine eigene Weise, die Gemeinde mit einbeziehend und sehr würdevoll, lies Raum unsere Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Sehr ergreifend formulierte Richard den ‚Geist‘ des Kaufmannszuges, Gitarren, Geige und Jagdhorn waren zu hören – ‚Ich möcht mit einem Zirkus zieh‘n, mit vielen bunten Wagen, die deine Welt und meine Welt, auf Ihren Rädern tragen‘.
Der Text von Wilhelm Willms, die Melodie von Peter Janssens, ein Lied, das nicht nur den Geist des Kaufmannszuges hat schwingen lassen.

Stadtführungen, ein Kinderprogramm und das große Küchenbüffet sorgten am Nachmittag für Kurzweil, nicht zu vergessen die Verlobung von Weilo und Kirsten, traditionsgemäß mit zu Ringen geformten Hufnägeln. Viel zu schnell verging dann der Abend, begleitet von der Auber Blaskapelle, die auch am Geleitsfestwochendende in Seligenstadt zu hören sein wird.

Bleibt nur noch ein ganz, ganz herzliches Dankeschön auszusprechen – für das es keine Form der Steigerung mehr gibt – für ein unbeschreiblich schönes Wochenende mit Euch ‚Aubern‘, für Eure grenzenlose Gastfreundschaft und für diese ‚ganz besondere‘  Freundschaft, die uns verbindet.

Robert Wurzel

08.06.2019

AUB – Daheim bei Freunden

Der Einzug in Rothenburg, gestern Nachmittag, war wie bei unseren früheren Kaufmannszügen einfach wieder famos. Ähnlich den Anderen, ehemaligen,  ‚freien Reichsstädte‘ entlang der Romantischen Straße, hat auch Rothenburg eine intakte und begehbare Stadtbefestigung und es ist immer wieder ein prickelndes Gefühl mit unserem Zug die Stadttore zu passieren.

Das klappern der Hufe auf dem Kopfsteinpflaster, die wehenden Fahnen und der Hall der Trommeln in den Gassen des mittelalterlichen Stadtkerns,  lassen das 18. Jahrhundert lebendig werden und sorgen für diese unbeschreibliche Stimmung, die die Teilnehmer die ganze Reise über begleitet.

In der ‚Schranne‘  durften wir auch in diesem Jahr für den Abend einkehren und waren beeindruckt vom Treiben um den ‚Meisterdrunk‘, der an diesem Pfingstwochenende in Rothenburg stattfindet. Ein frischer Wind sorgte dann heute über den Tag für kühlere Temperaturen, ohne jedoch die Sonne aussen vor zu lassen –  für Mensch und Tier war dies sicher eine Wohltat. Viel auf kleinen Landstraßen waren wir unterwegs und schon die erste, sanft ansteigende, Strecke, durch blühende Felder, lieferte schnell auch die ersten Motive für unsere Fotografen. Etwa 27 km waren heute zu bewältigen und zügig erreichte unser Tross das Ziel zur Mittagsrast bei Gickelshausen. Wie im Flug sollte der Nachmittag vergehen, ich denke die Freude auf unsere Ankunft in Aub hat da Ihren Teil dazu beigetragen.

Einfach so durften wir natürlich das Stadttor nicht passieren, gründlich wurde der Zug inspiziert und natürlich wurde man fündig. Kopfläuse hatte man bei unserem Soldaten Ali entdeckt, sein Beteuern, es wären seine Haustiere, die er hege und pflege, nutzte nichts – er wurde festgenommen. Eine gründliche Kopfwäsche im Marktplatzbrunnen, verordnete Ihm später der Rat der Stadt beim Empfang am Marktplatzbrunnen.

Viele Seligenstädter waren auch dieses Jahr wieder zu Besuch in Aub um uns hier mit zu begrüßen, eine nette Geste, die das Interesse an unserem Kaufmannszug und das ‚bei uns sein‘ ausdrückt, über die wir uns sehr gefreut haben.

Fürstlich wurden wir dann zum Abend durch unsere Auber Freunde im Spitalgarten bewirtet (unser geheimer Wunsch nach dem köstlichen gekochten Rindfleisch vom Karl wurde erfüllt) und bis tief in die Nacht wurde bei Trommelspiel, Gauklereien, Musik und Gesang gefeiert.

Robert Wurzel

05.06.2019

Die ‚Romantische Straße‘ nach Dinkelsbühl

Vielen Menschen geht auf ein Licht,
das ist für Euch ein Sonderbericht!

Morgens fuhren wir in Maihingen los,
meist auf dem Schotter, sonst uff de Stroß.
Wir holperten über Stock und Stein,
es brach ein Rad, … das darf nicht sein,

Am Vortag wurd das Rad gebabbt,
gut gemeint hat net geklappt,
die Edlen wurden umgebettet,
damit war der Tag mal wieder gerettet.

Am Tor vor Dinkelsbühl, zur Mittagsglut,
hielt uns auf die Schwedenbrut.
Richard stand vorm falschen Tor,
doch ernahm es mit Humor.

Er eilte durch die ganze Stadt,
bis er uns gefunne hat.
Als unser Zug hat einzureite,
stand er auf der falschen Seite

der Zoll war schnell und bar entrichtet,
die Reihen haben sich gelichtet.
Unter Jubel und Geschrei,
zogen wir ins Städtche nei.

Nach kurzem Ritt dann wir erreiche,
die wunderschöne alte Bleiche.
die Jungs ham alles aufgebaut,
hergerichtet und entstaubt.

Die Wörnitz war ganz schnell durchschwomme,
um sauber auch zum Tisch zu komme.
Um´s Feuer saß der ganze Trupp,
und dazu gab´s e Gulaschsupp.

Feuerschlucker und Jongleure,
diesmal gab es keine Möhre.
Sie spuckten das Feuer, das war klasse,
sie hatten Format, und auch Rasse.

Das war jetzt wirklich kaa Gedicht,
sondern nur ein Sonderbericht.

Ach da fällt uns noch was ein,
Die Welt ist wirklich ziemlich klein.
Die Trommler trommelten vor sich hin,
das Könne se halt, das ist ihr Ding.

Zuerst wurden die neuen Fuhrleut geehrt,
das ist und bleibt aller Ehrenwert,
der Eimer war voll, die Kutscher auch,
so ist´s beim Kaufmannszug der Brauch.

Support und Küchenpersonal,
hauten auch einen weg … phänomenal
Dann saßen wir in geselliger Runde,
die Lieder waren in aller Munde.

Wir sangen die Mundorgel rauf und runter …..

4 Haasen, 1 Mille, Susi, Wolfgang und Dr. C.

04.06.2019

Nördlingen – Kloster Maihingen

Im 3.000 Mann Festzelt gepennt haben viele schonmal, aber die Ehre mit 120 Kaufmannszüglern darin zu übernachten, hatten nur wir. Warum die Pferde draußen schlafen mussten, verstehen wir bis jetzt noch nicht. Aber die Wagen durften immerhin unter die Remis (unners Dach). Nach einer bis auf einige kleiner Unterbrechungen doch recht ruhigen Nacht starteten wir in einen sehr entspannten Morgen. Statt Frühstück gab es einen erweiterten Brunch inklusive Rührei 😉
Pünktlich und reichlich gestärkt konnten wir um 13h die – nach all den Strapazen – uns wie ein Wellnessurlaub vorkommende Etappe nach Maihingen auf uns nehmen. Egal ob kurz oder lang – Toni, Karl und unser bester Kutscher Seppel machen jede Etappe unvergesslich.
Wir wissen nicht, ob wir wegen des Bürgermeisters oder Gadder Gerd noch eine Stunde auf weiter Flur warten mussten, aber dank der Schinkenverpflegung durch Sprey und Knapp war es für Mensch und Hund ein sehr entspanntes Päuschen.
Nach einem stimmungsvollen und musikalischen Einzug ins wunderschöne Kloster, konnten wir unsere Körper vom Schweiß befreien – nicht. Denn leider sackte der Duschwagen bei ersten Duschversuchen ab. Jockel schrie, mit einer Hand den Duschwagen haltend, per Whatsapp beim Support um Hilfe – doch blöd, wenn keiner Empfang hat. So tat es ein Großteil während der sofortigen Reparaturarbeiten den Pferden gleich und wich auf den Abspritzplatz aus. Ein großes Jubel an dieser Stelle nochmal an unseren grandiosen Support. Schon vor dem Abendessen war der Duschwagen wieder beduschbar. Frisch duftend konnten wir unser Abendessen genießen.
Guter alter Tradition folgend, durften nach dem Essen die neuen Fuhrleute und das Supportteam je einen Eimer mit leckerem kalten Bier leeren. Nach gefühlten zwei Stunden waren die Eimer leer und alle bravourös betrunken. Zum Zeitpunkt dieses Berichts, sind wir noch mitten im gemütlichen Beisammensein und freuen uns morgen für eine lange Etappe früh aufstehen zu dürfen 😉

02.06.2019

Geleit 2019

Über Stock und über Stein
rollen in die Stadt hinein

Jubel tönt´s in jedem Haus

DER KAUFMANNSZUG

APPLAUS – APPLAUS

Laufen, Schritte, Pferdehufe
ab und zu auch mal ´ne Stufe

Wiesen, Wälder, Baum und Strauch
Löffel trinken schöner Brauch

Rast mit Brot und leckerem Wein
fern der Heimat nicht daheim

Türme aus der alten Zeit
die nächste Stadt ist nicht mehr weit.

Martina Weih, Eleonore Secklehner, Traudel Bohländer

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Und der Jubel ist das Schönste !

Seit zwei Monaten wohne ich bei meinem Partner in Seligenstadt und seit zwei Tagen bin ichTeilnehmerin beim Kaufmannszug.

Für mich wie ein Eingewöhnungsritus – voller Abenteuer mit vielen Unbekannten. Meine ersten Eindrücke sind überwältigend. 16 Kutschen und viele, viele Menschen setzen sich gemeinsam mit einem Ziel in Bewegung. Gestern die erste – gleich längste – Etappe ab Augsburg bis zum Gut Schwaighof, heute die zweite zur Harburg.

Das Reisen selbst ist Entschleunigung pur. Warten bis alle und alles eingeladen ist, bis alle Pferde eingespannt, die Kutschen bereit sind und dann zockelt es dahin bei strahlendem Sonnenschein, vorbei an Getriedefeldern, an blühendem Holunder und durch kleine Dörfchen. Und hier dann das Jubeln – eine spezielle Kaufmannszugbegrüßung, dies o viel Spaß macht.

Das Lagerleben mit Gegrilltem am Abend, selbst gemachter Musik, vielen Gesprächen und Lachen ist ein Züruck in der Zeit – sowohl historisch oder wie bei mir mit Jugenderinnerungen verbunden.

Und ich bin überwältigt von der Organisation des Ganzen: die frisch geschnittene Karotte, die Gatter für die Pferde, der Toilettenwagen, die Zelte oder die Wiese für die Mittagsrast – ein großartiger Support lässt den Kaufmannszug erst wirklich ziehen.

Und ich fühle micht so nett und herzlich aufgenommen, dass ich wirklich sehr froh bin, jetzt „Sellestädterin“ zu sein.

Elke Helbig

01.06.2019

Entsendung des Geleitszuges von Augsburg nach Seligenstadt mit Zwischenstation Gut Schwaighof

Jakob Fugger  mit seiner Pracht
Verabschiedete uns am ersten Tag
Vom Rathausplatz nach Norden hin
Die Kaufleute, sie ziehen hin

Hinaus aus Augsburg – freie Stadt
Durch Wiese -Wald in  Richtung Seligenstadt
Vom Himmel strahlt der Sonnenschein
Vereinzelte Wolken spenden Schatten fein

Am Wegesrand manch  bekannt Gesicht
Aus Heimatland – die Sehnsucht spricht
Im Herzen auch, sie laufen mit
Das Alter hindert sie an diesem Glück

Fast Marathon – die Tagesstrecke lang
Die Pferdekutschen. , sie ziehen an
In ihrem eignen Tempo Schritt
Manch einer kommt -nur- im Laufschritt mit

Entlang der Lech durch grüne Auen
Natur pur gilt es zu beschauen
Auf Rad– und Feldwege  wir ziehen hin
Entlang der Ährenfelder , noch dunkelgrün

Gut Schwaighof ist das Tagesziel
Die Stunden, sie sie vergehen hin
Kurze Mittagsrast auf grüner Wiese
Dann weiter auf dem Weg zum Ziele

Die Sonne Sticht, Die Wärme drückt
Strapazenzeichen prägt manch Gesicht
Durst wird gelöscht ,Die Füße brennen ,
Durch Mitfahrt ihnen Pause gönnen

Dann endlich – in Sichtweite Gut Schwaighofs Mauer
Ein Stop- aufrüsten – zu Soldaten werden Bauern
Der Einzug  – mit dem Jubel Gruß
Angekommen! Biergenuss

Rokoko Gruppe verzaubert- Ein letzter Tanz 
Das Gut erstrahlt im historisch Glanz
Danach Sie uns verlassen 
Zurück gehts  in heimatliche Gassen

Der Lagerfeuer Glut erlischt
Singen, Freude, schlaf,- bis neuer Tag anbricht

Hans Jürgen Wolfring

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Da ich auf dem Rathausplatz zur Entsendung des Kaufmannszuges nicht dabei war, kann ich euch davon leider nichts erzählen. Vom TSG-Gelände, wo wir „die Zeltschläfer“ übernachtet haben, reihtenwir um ca. 10.45 Uhr in den Zug ein, der vom Marktplatz auf die Reise zu unserem ersten Ziel Gut Schwaighof gestartet war. Auf dem Weg zwischen Augsburg und Allmannshofen hatten wir in Achsheim Mittagsrast. Dort wurde uns nochmal deutlich gemacht, wie wichtig es ist nicht während der Fahrt auf die Fuhrwerke auf- oder abzusteigen.

„An dieser Stelle einen herzlichen Gruß an unsere Gila. Dein Platz auf der Kutsche ist gesichert. Wir hoffen auf eine schnelle Genesung, damit du den Rest der Reise dabei sein kannst.“

Das erste, dass bei der Ankunft in Achsheim, noch vor unserer Versorgung zu tun war, war es, die Pferde, die bei dieser Hitze ordentlich ins Schwitzen gekommen waren, mit Wasser zu versorgen! Nachdem auch wir versorgt, gestärkt und ausgeruht waren, ging es weiter. Die gefühlten 30 Grad brachten auch auf den Weiterfahrt Mensch und Tier ins Schwitzen. Von den Anwohnern, der Dörfer durch die wir zogen, wurden wir stets nett winkend begrüßt.

Das freundliche Miteinander, schweißt schon jetzt zusammen. Abgesehen von der tollen Natur gibt es viel zu sehen. An den verschiedensten Tieren sind wir vorbeigekommen, Schafe, Rehe, Kühe und Hühner und natürlich auch an unseren treuen Begleitern den Pferden.

Bei der Ankunft in Gut Schwaighof war schon alles von unserem tollen Support-Team aufgebaut und vorbereitet.

Unsere heutige Strecke war die längste der zwei Wochen, mit knapp 38 km haben unsere Pferde und das Fußvolk großartiges geleistet.

Apolonia Sailer